imageq.jpgDiese Frage haben sich bestimmt schon sehr viele Hundebesitzer gestellt, aber Hunde wollen ihre Menschen nicht ärgern. Hinter jeder Verhaltensweise von einem Hund steckt immer ein Auslöser bzw. eine Motivation. Das gilt für erwünschte und unerwünschte Verhaltensweisen zugleich. Deshalb müssen wir, bevor wir ein Verhalten beim Hund ändern möchten, immer hinterfragen, was den Hund gerade zu dieser Verhaltensweise antreibt.

Wenn ein Welpe zum Beispiel an einem Teppich knabbert, bringt es nichts, wenn der Mensch den Welpen schimpft und „Nein“ sagt. Für die Welpen sind unsere Worte erst einmal normale Laute, ohne Bedeutung. Natürlich würde der Welpe mit dem Knabbern am Teppich aufhören, weil der Mensch den Welpen zum einen davon abhält, weiter am Teppich zu kauen. Zum anderen wird der Welpe vielleicht so sehr geschimpft, dass er das Knabbern an dem Teppich unterlässt, weil er durch den aggressiven Tonfall merkt, dass der Mensch das nicht möchte. Prima könnte man sich denken, also muss man nur heftig genug mit seinem Hund schimpfen, damit dieser versteht, dass es verboten ist, am Teppich zu kauen. Aber so leicht ist es nicht.

Nun kommen wir an den Punkt zu hinterfragen, warum der Welpe an dem Teppich geknabbert hat. Welpen haben aufgrund der wachsenden Zähne das Bedürfnis zu knabbern, weil das Zahnfleisch wehtut, und durch die Massage beim Kauen der Welpe eine Linderung verspürt. Dafür kaut der Welpe ausgiebig auf einem Gegenstand herum. Ein anderer Antrieb kann aber die reine Neugierde sein, um unbekannte Dinge zu erforschen. Dazu beißt der Welpe in den unbekannten Gegenstand mal hier und mal dort hinein. Was passiert nun mit dem Welpen der den Teppich meidet, weil sein Mensch ihn dort heftig geschimpft hat? Den Drang zum Kauen verspürt der Welpe weiterhin, und somit sucht der Welpe sich einen anderen Gegenstand, vielleicht einen Schuh vom Frauchen. Der Welpe hatte nämlich in dem Moment nur die Lernerfahrung gesammelt, dass er nicht an den Teppich gehen darf. Von Schuhen und anderen Gegenständen war ja nicht die Rede.

Damit der Welpe nicht nach und nach sämtliche Gegenstände im Haus anknabbert, und wir nur hinter ihm herrennen mit lautem Geschimpfe, ist es besser, dem Welpen direkt ein Alternativverhalten zu bieten. Dazu betrachten wir, was den Hund zu seinem Verhalten antreibt – Kauen um sich Linderung beim Zahnwechsel zu verschaffen. Besser ist, der Mensch unterbindet das Kauen am Teppich, indem er den Welpen dort wegnimmt, und bietet ihm etwas an, worauf der kauen darf, zum Beispiel einen Kauknochen. Sieht man wie der Welpe dabei ist sich einen Schuh zu schnappen, um diesen mit seinen Zähnen zu bearbeiten, dann kann man ein tief und schnell gesprochenes „Hey“ rufen. Es soll das geplante Verhalten des Welpen unterbrechen, indem der junge Hund sich leicht erschrickt. Lässt der Welpe von den Schuhen ab, muss in der gleichen Sekunde ein paar lobende Worte folgen, und wir bieten ihm direkt wieder den Kauknochen als Alternative an. Der Welpe wird somit die Lernerfahrung machen, dass das Kauen auf dem Knochen erwünscht ist, und ihm die erhoffte Linderung verschafft.

Dieses Muster zeichnet sich immer wieder im Verhalten unseren Hunden ab. Warum bellt mein Hund andere Hunde an? Weil er vielleicht unsicher ist und Angst hat. Die Angst ist leider nicht immer sehr offensichtlich, weil auch diese Hunde sich nach vorne in die Leine werfen. Die Motivation dahinter kann sein, dass der Hund andere Hunde von sich fernhalten möchte, und mit der Zeit dieses aggressive Verhalten an der Leine aufgrund verschiedener Lernerfahrungen entwickelt hat. Der gesunde Menschenverstand sagt doch, dass es ein Unding wäre, einem ängstlichen Lebewesen noch mehr Angst zu machen bzw. Schmerzen zuzufügen, also den ängstlichen Hund mit aversiven Mitteln wie einer Wasserpistole, Wurfkette oder Ähnlichem zu bearbeiten. Hierbei gilt es wieder, dem Hund ein Alternativverhalten aufzuzeigen. Dafür muss ich mir überlegen, welches Verhalten ich mir von meinem Hund wünsche, und wie ich ihm den Weg zu diesem Verhalten aufzeigen kann, also was meinem Hund zu der von mir erwünschten Verhaltensweise motivieren kann. Das könnte in dem Fall mit dem unsicheren Hund zum Beispiel Abstand zu anderen Hunden sein.

Würde das aggressive Verhalten gegenüber anderen Hunden mit aversiven Mitteln unterbunden werden, bellt der Hund vielleicht andere Hunde nicht mehr an, aber dieses Verhalten kann jederzeit wieder auftreten. Der Hund hat kein alternatives Verhalten in der Situation erlernt, und somit kann es passieren, dass der Hund jederzeit in sein altes Verhaltensmuster zurückfällt.

Das waren jetzt nur zwei Beispiele von unerwünschten Verhaltensweisen. Hunde handeln immer aus einer Motivation heraus. Bei unerwünschten Verhalten gilt es die Motivation zu erkennen, und dem Hund ein von uns erwünschtes Verhalten, als Alternative anzubieten. Dadurch lernen Hunde wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen, und gehen nicht nur in ein Meideverhalten über, damit sie nicht wieder mit der Wasserpistole bespritzt werden. Die Energie eines Verhaltens sucht sich immer einen Weg. Unterdrücktes Verhalten kann sich in anderen Verhaltensweisen, wie zum Beispiel andauerndes Pfoten knabbern widerspiegeln, weil dem Hund keine Möglichkeit geboten wurde, die Energie sinnvoll abzubauen.

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Posted by:Kleine Hundeschnauzen

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