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Unsere Hunde haben im Laufe der Zeit einen scheinbar immer höheren Stellenwert in unserem Leben gewonnen, und wir gehen heutzutage meist viel bewusster mit ihnen um, und kümmern uns aktiv um ihr Wohlergehen, ihre Ernährung und auch um die Gestaltung einer abwechslungsreichen Freizeit. Der Hund ist als Begleiter, als Freund und auch als Partner immer wichtiger und entsprechend angenehm wollen wir sein Leben gestalten.

Dementsprechend steigt das Angebot an Bespassungsmöglichkeiten, und es gibt immer mehr Hunde, die ähnlich wie einige unserer Kinder einen straffen Wochenplan haben: Montags Agility, Dienstags Spaziergang mit Mutti, ihren Freundinnen und deren Hunden, Mittwochs Nasenkurs, Donnerstags Hundeplatz, Freitag noch etwas Trickarbeit und Samstag Treibball. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, trifft aber dennoch allzuoft zu.

Wir haben das Gefühl, unseren Hunden etwas bieten zu müssen, damit sie keine Langeweile haben – vor allem nicht, wenn wir sie möglicherweise ein paar Stunden am Tag alleine lassen, um arbeiten zu gehen. Das Ergebnis einer solchen Dauerbespassung sind oftmals völlig unruhige und hibbelige Hunde, die scheinbar noch soviel Energie in sich haben, dass man sie noch besser auslasten muss….. Ein Teufelskreis. In Wirklichkeit sind diese Hunde übermüdet, und das schlägt sich über kurz oder lang auf die Gesundheit nieder. Bekommt er zu wenig Schlaf und zu wenig Ruhepausen, wird das Immunsystem geschwächt, was allerlei Krankheiten nach sich ziehen kann.

Andere Hunde werden zu wenig beschäftigt und ausgelastet – anstatt eines ausgiebigen Spaziergangs mit ausreichend Schnüffelmöglichkeiten und Auslauf werden sie kurz um den Block geführt. Auch hier ist das Ergebnis ein nervöser, unruhiger Hund, der sich nicht austoben konnte und dann seine Energie anderweitig los wird. Auch dies hat Auswirkungen, die den Hundehalter wenig erfreuen dürften.

Ein Hund ruht normalerweise – wenn man ihn lässt – um die 17 Stunden am Tag. Dabei schläft er nicht immer tief und fest, sondern ist z.B. bei einem ungewohnten Geräusch oder etwas Interessantem sofort hellwach. Das ist in der Natur unglaublich wichtig – gar lebenswichtig. Würde ein Hund ständig tief und fest schlafen, könnte das für ihn schnell gefährlich werden oder sogar tödlich enden. Und weil Hunde nicht so viel tief schlafen, brauchen sie viel mehr Ruhephasen als z.B. wir Menschen.

Wer seinen Hund gut beobachtet, und zwar von Anfang an, der wird schnell merken, dass er sich von selbst zurückzieht, wenn er eine Ruhephase braucht. Dabei sollte man ihn nicht stören. Viele Hundekinder müssen aber auch das erst lernen – denn gerade in den letzten Wochen der Welpenzeit ist oft so viel los durch die unterschiedlichen Besucher, dass sie das Gefühl haben, immer und überall dabei sein zu müssen. Und in der neuen Umgebung bei der neuen Familie muss man sich auch erstmal eingewöhnen und lernen, sich zu entspannen. Dabei müssen wir unseren Hundekindern helfen – ähnlich wie wir es bei unseren eigenen Kindern tun würden: wir wissen genau, wann unser Kind ein Schläfchen braucht und zwingen es notfalls zu seinem Glück. Auch ein Hundekind, das scheinbar einfach nicht runterkommt, kann und sollte man dazu bringen, Ruhe zu finden. Das kann in seiner Box sein, in der es sich wohlfühlt, das kann aber auch einfach auf dem Sofa sein, wo er sich neben uns einkuschelt und wir ihn nicht mehr beachten, egal was er macht – irgendwann schläft dann auch das Hundekind.

Ein entspannter Hund ist ein glücklicher, ausgeglichener und gesunder Hund. Er sollte einen Rückzugsort haben, an dem er niemals gestört wird (z.B. eben eine Box, aus der er niemals herausgeangelt wird – das muss man den Kindern gezielt beibringen – und wo er sich absolut sicher und geschützt fühlt) und wohin er sich zurückziehen kann. Dazu ein gesundes Mass an Beschäftigung, welche aber nicht einseitig sein darf: ein Hund muss frei laufen können, er muss seine Nase brauchen können, er braucht ein gesundes Mass an Bewegung und geistiger Förderung. Einen Hund nur körperlich „auszulasten“ bis ihm die Zunge aus dem Hals hängt und er für den Moment entkräftet zusammenbricht, ist nicht sinnvoll. Ein Hund ist ein intelligentes, fühlendes Lebewesen und auch sein Kopf will beschäftigt werden – und das macht müde! Zehn Minuten intensive Nasenarbeit entsprechen ungefähr einem 45-minütigen Spaziergang.

Wenn wir uns die Bedürfnisse unserer Hunde bewusst machen, ist es nicht schwer, ihnen einen artgerechten Tages- und Wochenablauf zu bieten. Von Anfang an. Ich handhabe es z.B. so, dass wenn an einem Tag besonders viel los ist (eine grosse Wanderung, ein grosser Ausflug, viel Besuch, intensives Hundetraining, usw.) der nächste Tag seeehr entspannt und ruhig verläuft. Da passiert dann so gut wie nichts. Wir gehen spazieren und nehmen uns viel Zeit zum regenerieren. Diese Abwechslung hat sich sehr gut bewährt, vor allem auch im Urlaub mit Hund. Dauerbespassung ist für den Hund genauso falsch wie zuviel Ruhe und Langeweile – auch hier liegt das Heil in der goldenen Mitte.

von Beate Bittermann

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Posted by:Kleine Hundeschnauzen

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