Ob man einem Langhaarhund das Fell kürzen sollte bzw. darf, bei diesem Thema gehen die Meinungen der Hundehalter weit auseinander. Für mich Grund genug, meine eigenen Erfahrungen zu sammeln, die ich hier mit Euch teilen möchte. Dazu werde ich gerade auf die Argumente eingehen, die ich schon oft im Zusammenhang mit dieser Thematik gelesen habe.

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Meine ganz persönlichen Erfahrungen konnte ich dieses Jahr bei meiner Kessie, eine Yorkshire Terrier Mischlingshündin sammeln, der ich im Februar das erste mal das Fell gekürzt habe. Sie hatte bis dahin ein halblanges Fell, und keinen richtigen Fellwechsel von Sommer auf Winterfell und umgekehrt. Sie verliert also kaum Haare, muss aber regelmäßig gekämmt werden, weil das Fell ansonsten verfilzt.

Langes Fell ist etwas natürliches, und sollte nicht gekürzt werden

Dieser Satz stößt mir immer wieder etwas negativ auf, vor allem wenn er als Dogma angepriesen wird. Das lange Fell hat für mich persönlich nichts mit einer Natürlichkeit zu tun, sondern es ist aus einer gezielten Zucht entstanden, und bedarf der menschlichen Pflege. Deshalb empfinde ich diese Begründung als unpassend, weil eine Natürlichkeit sollte meiner Meinung nach auch ohne die menschliche Unterstützung überleben können.
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Der Hund fühlt sich mit dem kurzen Fell wohler

Kessie habe ich mittlerweile zweimal das Fell geschnitten. Dass sie sich wohler danach gefühlt hat, konnte ich nicht feststellen. Bei meinem Bolonka Grisu, der aufgrund einer kaputten Fellstruktur regelmäßig das Fell geschnitten bekommt, kenne ich diese Lebendigkeit, wenn das Fell ein Stück gekürzt wurde. Grisu hat durch die kaputte Fellstruktur ein sehr wärmendes Fell. Wieso sein Fell so verändert ist, dazu komme ich später.

Das lange Fell schützt vor Kälte und auch vor Wärme

Ein ganz klares Jein. Mir ist vor ein paar Jahren schon aufgefallen, dass meine Kessie selbst bei über 30 Grad im Sommer nur selten mal gehechelt hat, und wenn dann auch nur sehr dezent. Das lange Fell schützt bei ihr wirklich sehr gut vor der Hitze, selbst bei körperlicher Anstrengung. Im Herbst jedoch fängt Kessie bei Temperaturen von 10 Grad und kälter sehr schnell zu frieren an. Das lange Fell schützt bei ihr so gut wie gar nicht vor der Kälte, und ich musste Kessie bisher immer bei diesen milden Temperaturen schon einen Mantel anziehen.

Unbenanntqa.jpgWiederum war ich sehr überrascht, als ich Kessie im kalten Februar das Fell gekürzt hatte. Plötzlich fing sie, in ihrem Wintermantel, beim Spaziergang leicht an zu hecheln. Das kürzere Fell hatte eine isolierende Schicht gebildet, und Kessie ist damit deutlich weniger kälteempfindlich, wie mit voller Felllänge. Jetzt zur wärmeren Jahreszeit fängt sie dementsprechend schneller an zu hecheln, was ich natürlich als negativ empfinde, und an der Stelle wünschte ich mir ihr langes Fell zurück. Besonders wird diese isolierende Funktion vom kurzen Haar im Wasser deutlich. Mit dem langen Fell war Kessie direkt bis auf die Haut durchnässt, sobald sie im Wasser geschwommen war. Mit dem kurzen Fell ist nur die oberste Fellschicht nass, das darunter liegende Haar und die Haut sind ganz trocken. Für mich eine wirklich wertvolle Erfahrung, die ich für Kessie im Winter unbedingt nutzen möchte.

Die Fellstruktur geht kaputt

Eine Veränderung der Fellstruktur ist ganz klar bei Kessie zu erkennen. Die Unterwolle  wächst viel schneller als das Deckhaar nach, und bekommt ein Hund regelmäßig das Fell gekürzt, dann verdrängt die Unterwolle das Deckhaar zum größten Teil. Da die Unterwolle viel feiner und weicher ist, wird das Fell nach und nach plüschiger, und neigt mehr dazu zu verfilzen.

Grisu der seit seinem ca. zweiten Lebensjahr auf eine Felllänge von ca. 2-3cm geschoren wird, hat kaum noch vorhandenes Deckhaar. Das Fell ist sehr weich, und es bilden sich sehr schnell Filzknoten, wenn ich ihn nicht regelmäßig kämme. Sein Fell wächst eher wattig um ihn herum wie bei einem Schaf, und wenn das Fell zu lang ist, dann ist es dem Grisu sogar im Haus zu warm. Allerdings kann bei ihm zusätzlich die Kastration ein weiterer Grund für diese veränderte Fellstruktur sein.

 

Das kurze Fell ist pflegeleichter

Für mich ist das kürzere Fell deutlich pflegeleichter. Ich wohne in einem sehr waldreichen Gebiet, mit einem hauptsächlichen Bestand an Fichten. Je nach Waldweg ist es mit dem längeren Fell wirklich ein Problem gewesen, mit den Hunden dort zu laufen, weil die kleinen Äste sich ständig im Fell verfangen hatten. Wenn mal ein Ast unbemerkt einige Meter im Fell blieb, dann hatte ich meine Mühe den Ast aus dem Fell wieder zu lösen. Da ich in der Regel fast täglich 1-3 Stunden mit den Hunden im Wald verbringe, bietet das kurze Fell hier für mich einen wirklich großen Vorteil.

Natürlich ist das Kämmen der Hunde mit dem kurzen Fell nicht mehr so zeitintensiv, allerdings muss ich die Hunde öfters kämmen, damit das Fell nicht verfilzt. Der Dreck wiederum lässt sich leichter mit einem Handtuch aus dem Fell rubbeln, dementsprechend muss ich die Hunde weniger nach einem Waldspaziergang mit Wasser abbrausen.

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Haare schneiden oder nicht, es gibt kein klares Ja oder Nein

Ob es jetzt gut ist einem Langhaarhund das Fell zu kürzen oder nicht, dazu kann ich keine pauschale Antwort geben. Zum einen haben die verschiedenen Langhaarrassen unterschiedliche Fellarten, und auch in der gleichen Rasse kann es im Fell deutliche Unterschiede geben. Dieses Thema muss jeder für sich und seinen Hund individuell betrachten. Für mich und meine Kessie haben beide Seiten Vor- und Nachteile, die man einfach abwägen muss, nur wichtig ist, dass man an das Thema mit Bedacht herangeht.

UnbenanntssIch habe mit meiner Kessie meine ganz persönlichen Erfahrungen gesammelt und geplant, Kessie einmal vor dem Winter das Fell zu kürzen, damit das Fell eine isolierende Schicht bilden kann, und sie nicht so kälteempfindlich ist. Im Sommer darf Kessie ihr Fell am Rumpf länger tragen, damit sie wieder vor der Hitze geschützt ist. Für die Waldspaziergänge werde ich das Fell das ganze Jahr über an den passenden Stellen kürzen, weil es einfach viel entspannter zu laufen ist, wenn nicht alle paar Meter wieder ein kleiner Ast im Fell hängen bleibt. Ob sich dieser Plan bewährt, wird sich mit der Zeit zeigen.

 

Warum meine Liebe trotzdem den Langhaarhunden gilt?

Natürlich müsste ich mir diese ganzen Gedanken gar nicht machen, wenn ich einen kurzhaarigen Hund hätte. Allerdings habe ich mir meine Hunde weniger nach dem Aussehen ausgesucht, sondern viel mehr wegen der rassetypischen Eigenschaften. Hinzu kommt, dass ich natürlich dieses Privileg genieße, dass meine Hunde kaum Fell verlieren. Es gibt einige Kurzhaarrassen, die aufgrund ihres Aussehens mein Herz erobert haben, aber von ihren Eigenschaften, zu meiner Familie und mir nicht passen. Nur möchte ich eben so vernünftig bleiben, und mir nicht einen Hund nur wegen des Aussehens anschaffen, weil ansonsten läge jetzt ein Weimeraner neben mir auf dem Sofa, und ich würde einen Blogbeitrag über jagdliche Auslastung schreiben.

Was mich an der typisch kurzen Sommerschur stört?

Ich kann hierzu auch nur weiterhin als Laie schreiben, und es werden die abschließenden Worte zu diesem Thema sein. Das Fell vom Hund bis auf einen Zentimer und kürzer zu scheren, finde ich persönlich nicht gut. In meinen Augen kann ein so kurzes Fell, das ja bei einer regelmäßigen Schur hauptsächlich aus Unterwolle besteht, keine vernünftige Barriere zur Haut bilden, und die Haut ist somit sämtlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Es ist auch nicht mit kurzhaarigen Rassen gleichzusetzen, weil deren Fell in der Regel noch den natürlichen Anteil an Deckhaar besitzt, welches die Haut viel besser als die Unterwolle vor Umwelteinflüsse schützt. Eine Felllänge von drei Zentimeter und mehr finde ich deutlich besser, damit die Haare sich zu einer isolierenden Schicht vereinen können, und die Haut somit einen besseren Schutz erhält. Ob ich mit meiner Ansicht wirklich recht habe, dass weiß ich nicht, aber meine Überlegungen haben mich zu diesen Gedankengängen geführt.

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Posted by:Kleine Hundeschnauzen

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