Ein Gastbeitrag von Carina Szauer, Hundetrainerin der Hundeschule Kleinhundetraining20795068_1885119298481393_466766377_o

Die Frage, wie unsere Hunde kommunizieren beschäftigt uns HundehalterInnen täglich. Ob Knurren, Bellen und das Schwanzwedeln, alles zählt zur Hundesprache. Wie wir mit den Signalen umgehen sollten, und was es sonst noch alles für Zeichen gibt, das erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Hunde verständigen sich anders als wir Menschen vorwiegend über die Körpersprache, also die Gestik (Körperhaltung) + Mimik + Blickkontakt und Lautgebung, die uns zusammen eine Auskunft über ihre Motivation und den Gefühlszustand geben.

Turin Rugaas beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Hundesprache und gilt als Pionierin auf diesem Weg. Sie hat die sogenannten Calming Signals, die Beschwichtigungssignale definiert. Diese Beschwichtigungssignale dienen als Vorbeugemaßnahmen, um Konflikte zwischen den Hunden gar nicht erst entstehen zu lassen. Das kann ein kurzes Augenzwinkern sein, ein Schlecken mit der Zunge über die Nase, ein Gähnen oder der Hund kratzt sich, um nur einige Signale zu nennen.

Von Natur aus verwenden Hunde diese Signale bei jeder Begegnung mit Menschen und bei ihren Artgenossen. Das Tolle daran ist, dass auch wir Menschen uns diese Beschwichtigungssignale zum Teil zu Nutze machen können, um auf den Hund nicht bedrohlich zu wirken. Diese Calming Signals verstehen und sprechen alle Hunde weltweit, sofern sich Hunde untereinander lesen können. Die Herausforderung entsteht hierbei leider durch die Überzüchtung der Hunde und die dadurch nicht erkennbare Mimik und Gestik des Hundes. So werden  zum Beispiel Hunde die der Rasse Mops angehören leider häufiger zu Opfer von Angriffen, weil diese durch die Faltenlegung an Kopf und Schnauze kaum eine Mimik zeigen können, und von anderen Hunden vornherein als aggressiv angesehen werden.

Zu den Calming Signals zählen:

Kopf, Körper, Rücken abwenden

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Die Hand von oben ist dem Hund unangenehm, er leck sich mit der Zunge über die Nase um zu beschwichtigen.

Tipp: Bei der Begrüßung, vor allem bei kleinen Hunden, niemals frontal von oben „Hallo“ sagen, sonder in die Hocke gehen, warten, bis der Hund auf einen zukommt, und von der Seite Kontakt aufnehmen.

Augen Zwinkern, Blinzeln oder Umherwandern der Augen466236_XL

Tipp: Bei Hundebegegnungen den Hund bitte niemals anstarren, sondern ganz natürlich die Augen in Bewegung Halterung auch mal blinzeln.

Mit der Zunge über die Nase lecken932448_M

Tipp: Dieses über die Nase lecken geht oft ganz schnell, und kann leicht von uns Menschen übersehen werden.

Einfrieren und langsame Bewegungen1999983_M

Tipp: Diese langsame Bewegung zeigt der Hund oft im Freilauf, wenn er zurückgerufen wird, aber gerne noch herumtoben möchte. Oft rufen wir Menschen  dann noch lauter und vehementer und der Hund kommt nur langsam auf uns zugelaufen, weil er uns beschwichtigen möchte. Daher ist es besser, den Hund motiviert und freudig zurückzurufen, damit der Hund das Abrufen nicht als etwas Negatives empfindet.

SchwanzwedelnIMG_0478-1

Tipp: Das Wedeln mit dem Schwanz bedeutet grundsätzlich nur, dass der Hund aufgeregt ist. Das Vorurteil, dass Hunde die mit dem Schwanz wedeln sich grundsätzlich freuen stimmt so nicht. Zum Beispiel wedeln Hunde auch in Situationen, die ihnen unangenehm sind, oder wenn sie eine Wildtierspur verfolgen.

Vorderkörpertiefstellung649720_M

Tipp: Diese typische Körperhaltung zu einer Spielaufforderung kann genauso gut eine deeskalierende Geste sein, die Hunde in Situationen zeigen, die ihnen etwas unangenehm sind. Im Zweifel die Situation einfach auflösen, und den Hund aus dem Geschehen herausnehmen .

Hinsetzten und Hinlegen662806_M

Tipp: Zeigt ein Hund dieses Beschwichtigungssignal einem Menschen gegenüber, dann hilft es, wenn dieser sich etwas klein macht, zum Beispiel in die Hocke geht. Im Spiel wird dieses Signal oft von Hunden gezeigt, wenn ihnen das Zusammentreffen zu heftig wird.

Gähnen555067_L

Tipp: Das Gähnen von Herrchen und Frauchen hilft dem Hund in angespannten Situationen selbst zu entspannen.

Einen Bogen gehen2252932_M

Tipp: Im Freilauf begegnen sich Hunde nie frontal zueinander, da dieses bedrohlich wirkt, und Hunde weichen sich „von Natur aus“ aus. Bitte berücksichtigt das bei Hundebegegnungen, und schafft Platz, indem ihr vielleicht die Straßenseite wechselt oder seitlich auf Distanz geht.

Am Boden schnüffeln und markierenIMG_4698

Tipp: Menschen haben ihr Telefon, Internet, Zeitung und Fernseher, Hunde haben „nur“ die Gassigänge, in denen sie sich durch ihre Gerüche austauschen können. Daher lasst Euren Hunden auch mal Zeit zum ausgiebigen schnüffeln und markieren.

Dazwischengehen – Splitten2055370_M

Tipp: Das wird oft mit Eifersucht verwechselt, wenn Herrchen und Frauchen auf der Couch kuscheln. Für den Hund kann dieses menschliche Verhalten jedoch bedrohlich wirken, daher geht er dazwischen und splittet. Auch wir Menschen können bei Hundebegegnungen splitten, und so dem eigenen Hund Sicherheit bieten, indem wir dazwischengehen und Distanz zum anderen Hund schaffen.

 

Die Beschwichtigungssignale sind ein großer Bestandteil der Sprache des Hundes. Kann der Hund diese nicht anwenden, weil Gehorsam vom Menschen gefordert wird, durch ein Sitzt, Fuß usw., wird er in dem Moment sprachlos, schlimmstenfalls wird er sogar noch für sein Meideverhalten bestraft oder in Situationen hineingezwungen. So etwas führt dazu, dass der Hund seiner Natur nicht mehr folgt, und zum Beispiel zum Leinenpöbler wird.

Bleibt aufmerksam Euren Hunden gegenüber und überlegt, wie Ihr oder andere Menschen auf Euren Hund wirken. Beobachtet Situationen um Euren Hund herum, und hinterfragt, ob sich Euer Hund wohlfühlt oder mit einer Situation überfordert ist. Unterstütz ihn indem Ihr ihm Zeichen wie Beschwichtigungssignale gebt, an denen sich Euer Hund orientieren kann. Wir haben die Wahl, wir können bedrohlich oder freundlich auf unsere Hunde wirken.

Vielen Dank liebe Carina für diesen wundervollen Beitrag zu den Calming Signals.

Wollt Ihr noch mehr von Carina Szauer lesen, dann besucht ihre Homepage oder Facebookseite

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Posted by:Kleine Hundeschnauzen

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