Frei SchnauzeGastbeitrag

Großstadthunde – Das Leben in Berlin (Werbung)

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Ein Gastbeitrag von Maria-Lena Matysik von Rad und Hund

Mit Hund in der Stadt leben – geht das? Und … kann man einem Hund das zumuten? In Berlin leben 250.000 Hunde, 3,5 Millionen Menschen, und wir mittendrin – Yeah Wenn ich Freunden erzähle, wo in Berlin ich wohne, weiß jeder gleich wo das ist, denn wir wohnen direkt an einem Knotenpunkt der Öffis: Eine U-Bahn-Linie, eine S-Bahn-Linie und 14 Buslinien fahren hier. Eine große Einkaufsstraße ist ebenfalls gleich um die Ecke. Der ganz normale Wahnsinn im Trubel der Großstadt eben.

Heaven, unsere (fast) 3-jährige Border Collie- Australian Shepherd -Hündin wurde in einem kleinen Ort in Brandenburg geboren. Im Alter von 10 Monaten ist sie zu uns nach Berlin gezogen – als Landei in die Großstadt sozusagen.

Als Heaven zu uns kam, musste sie erst einmal eine Menge lernen, um das Leben in der Großstadt mit uns genießen zu können.

  1. Maulkorb tragen. Wir haben kein Auto (man findet hier eh keine Parkplätze) und fahren deshalb überall mit den Öffis hin. Da ist das entspannte Tragen eines Maulkorbs natürlich essenzielle Superpower jedes Großstadthundes.
  2. Öffis fahren. Die Spalte zwischen Bahnsteig und S-Bahn war für Heaven anfangs ein unüberwindbares Hindernis. Sie hat aber schnell gemerkt, dass ihre Menschen ja auch nicht in diesen 10cm breiten Abgrund fallen. Heute läuft Heaven zielsicher auf die nächstbeste Tür zu, sobald eine S-Bahn anhält (auch wenn wir nur jemanden vom Zug abholen und gar nicht einsteigen wollen.
  3. Stadtgeräusche. Ein paar Großstadtgeräusche fand Heaven anfangs gruselig: Knatternde Motorräder, rollende Riesenmülltonnen und Baustellenlärm. Wir haben viele Trainingsspaziergänge unternommen und heute ist alles ganz alltäglich.

Die bunte Welt gechillt erleben

Heute genießen wir all die positiven Aspekte, die so ein Großstadtleben bietet. Unter so vielen Hunden und Hundehaltern in Berlin, verstecken sich auch einige sehr sympathische. Man trifft ohne Verabredung immer mal jemanden im Kiezpark (besonders als Heaven noch ein verspielt-verrückter Junghund war, war das immer ein tolles Highlight). Die Menschen gehen ein Stück gemeinsam, man unterhält sich und tauscht sich aus. Dabei gibt es sehr selten mal Stress unter den Hunden (genau 1x hat Heaven sich mit einer Foxterrier-Hündin in die Haare bekommen). Weil man in Berlin einfach ständig andere Hunde auf der Straße trifft, sind die allermeisten Hunde die Begegnungen gewöhnt und alles läuft entspannt ab. Meine Eltern und meine Schwiegereltern wohnen auf dem Land (in völlig anderen Ecken der Republik). Wenn wir dort mit Heaven spazieren gehen, treffen wir immer wieder andere Hundehalter, die ihren tobenden Hund ins Gebüsch zerren müssen, damit wir vorbeigehen können. Großstadthunde scheinen irgendwie besser sozialisiert zu sein (ehrlicherweise muss man hinzufügen, dass dieser Eindruck wohl auch dadurch entsteht, dass Hundehalter mit einem absolut unverträglichen Hund wohl einfach nicht dort wohnen oder spazieren gehen, wo andere Hunde sind – nämlich mitten in der Stadt).

Außerdem gibt es einfach so viele Möglichkeiten mit seinem Hund neue Dinge auszuprobieren. Hier gibt es nicht nur den verstaubten Hundeplatz mit dem Trainer, der „das immer schon so gemacht hat“. Hier kann ich mir die Hundetrainer, Hundeschulen oder Hundesportkurse aussuchen und genau hinschauen, ob es für mich passt oder nicht. Es gibt auch viele theoretische Hundeseminare, die man als Hundemensch besuchen kann. Und natürlich findet man unter so vielen Hundebesitzern auch eher mal einen Gleichgesinnten als auf dem Land, wo man ein paar mehr Quadratkilometer nach Hunde- und Menschenfreunden absuchen muss.

Berlin – take it ease

Aber ist es für einen Hund (gerade für einen sensiblen Border Collie) nicht einfach super stressig in der Stadt? Die vielen fremden Menschen, Hunde, Geräusche…? Ja, ich kann tatsächlich nicht bestreiten, dass hier echt viel los ist. Allerdings habe ich einige Vermeidungsstrategien gefunden. Ich laufe mit Heaven nie durch Einkaufspassagen, halte mich an Ampeln oder Bushaltestellen abseits der Menschentraube, vermeide den Berufsverkehr in den Öffis, gehe nicht an Hauptstraßen spazieren und in der S-Bahn hat Heaven ihren Platz unter meinem Sitz und ist so ungestört und geschützt. Ich muss auf jeden Fall offene Augen für die Bedürfnisse meines Hundes haben, wenn ich sie durch die Menschenwelt führe.

In einem Punkt kann das Leben in der Großstadt sogar entspannter sein als auf dem Land – wenn man nämlich einen Jagd-ambitionierten Hund hat. Den Berliner Wildschweinen eilt zwar der Ruf voraus sehr zahlreich und überhaupt nicht scheu zu sein, ich bin mit Heaven aber erst ein einziges Mal einem Schwein von Angesicht zu Angesicht begegnet (*auf Holz klopf*). Ein Spaziergang oder eine Joggingrunde in Berlin an der Spree oder am Wannsee entlang ist entspannt und Heaven kann sich voll auf mich konzentrieren. Wenn Wald und Felder mit Reh und Fuchs aber direkt hinter der eigenen Tür anfangen, dann ist sogar die abendliche Runde um den Block Stress für Hund und Mensch. Und denn rennen auf dem Dorf auch noch ständig Katzen kreuz und quer über den Hof! Grrr, noch ein Hütetrieb-Auslöser. (positiv gesehen: eine Menge Impulskontrolle-Trainingssituationen zum fleißigen Üben).

Aber der Großstadtdschungel glänzt nicht nur

Trotz alltäglicher Routinen muss man immer bedenken, dass das Leben in der Großstadt anstrengender für einen Hund ist als auf dem Land. Sobald man die Wohnung verlässt, strömen viele Eindrücke auf den Hund ein. Der Weg ins Büro mit Bus und U-Bahn ist herausfordernder als im ruhigen Kofferraum eines Autos. Darauf muss ich auf jeden Fall achten und dafür sorgen, dass Heaven ausreichend Ruhephasen hat.

Ein weiterer fetter Minus-Punkt ist, dass man Hundebegegnungen praktisch nicht vermeiden kann. Viele Hundehalter sind super und verständnisvoll, aber einige sind auch einfach völlig daneben. Unter den Tausenden Hundehaltern in Berlin, sind einfach auch etliche rücksichtlose Ignoranten. Glücklicherweise ist Heaven eine super verträgliche Hündin, die an der Leine nicht pöbelt und kritische Hundebegegnungen entschärfen kann. Mit einer läufigen Hündin in Berlin vor die Tür zu gehen ist allerdings einfach nur ätzend. Da hilft nur: den Hund unter den Arm klemmen, in die Bahn steigen und auf das wunderschöne, grüne, weitläufige, einsame und ruhige Brandenburger Land fahren.

Ganz herzlichen Dank liebe Maria-Lena, dass Du uns einen Einblick in Heavens Leben im Großstadtdschungel Berlin ermöglicht hast. Der Beitrag mit deinem lebendigen Schreibstyl ist eine echte Bereicherung für unseren Blog.

 

Bildquelle:  Maria-Lena Matysik
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